Im Haus Gottes zu Hause sein
Liebe Gemeinde,
"Haus" oder "Wohnung" ist ein Begriff, der unserem Herzen ganz nahe steht. Jeder von uns hat ein Haus, eine Wohnung, mindestens ein Zimmer, in dem wir uns Zuhause fühlen. Was alles bedeutet dieser Begriff für uns?
In unserem Haus sind wir zuhause. Was gibt uns das Gefühl des "Zuhauseseins"? Ich denke, alles was zu einem Haus gehört! In einem Haus sind mehrere Zimmer, Gänge und Türen, die verschiedenen Zwecken dienen. Es gibt eine Küche, in der warmes Essen vorbereitet wird, die "Wärme ausstrahlt!". Die Küche ist fast mit unserem Mutterbegriff identifiziert. Es gibt einen Vorratsraum daneben, der uns die Zuversicht gibt, dass wir auch für Morgen versorgt sind, dass wir keine Sorge haben müssen. Dann gibt es ein Esszimmer neben der Küche, wo die ganze Familie sich für das Essen versammeln kann. Da wird gebetet, gelobt, gesprochen, gelacht, und ab und zu auch geschimpft! Aber allgemein identifizieren wir dieses Zimmer mit Freude und Gemeinschaft.
Es gibt ein weiteres Zimmer nebenbei: Das Wohnzimmer. Hier ist alles lockerer. Zufriedenheit herrscht in diesem Zimmer. Wir sitzen gemütlich. Es gibt Gespräche dort, aber auch die Möglichkeit, dass jeder seine Richtung und Interesse zu suchen. Dann kommen wir zu einem Zimmer, das jedem und jeder ganz wichtig, privat und persönlich ist: das Schlafzimmer. Dieses Zimmer identifizieren wir mit Ruhe, Schlaf, Träumen, Einsamkeit und mit ähnlichen Gefühlen.
Es kann auch einen Balkon geben, von dem wir gute Aussicht nach außen haben können, in den Garten, zu den Nachbarn und in die Straße!
Wenn ich über ein Haus nachdenke, kommen diese und ähnliche Gedanken in mir hoch, das heißt in meinem Herzen. Mein Herz sucht eine Wohnung. Es hat Sehnsucht nach einer eigenen Wohnung. Denn die Luft in meinem Haus ist angenehm mit Wärme. Es herrscht der Geist der Liebe, Gemeinschaft und Geborgenheit. Das macht aus dem Gebäude ein Haus.
Ich habe über ein Thema gesprochen, das euch allen ganz bekannt und vertraut ist. In den biblischen Lesungen von heute ist auch die Rede von Haus und Wohnung.
"Der Eifer für dieses Haus seines Vaters hat Jesus verzehrt", wenn er das unwürdige Verhalten seines Zeitgenossen im Tempel gesehen hat. Denn sie haben ihrem treuen und lieben Gott keine Ehre mehr erwiesen. Darum wurde er zornig und versuchte mit Macht "das Haus seines Vaters" zu reinigen. Dadurch wollte er dem Begriff und dem Ort Tempel den verlorenen und vergessenen Sinn und Bedeutung zurückgeben.
Die Menschen stellten die machtvolle Lehre und Verhalten Jesu in Frage, und verlangten von ihm ein Zeichen und die Berechtigung seines Verhaltens. Da werden seine Worte prophetisch.
Er verspricht ihnen ein Zeichen, das machtvolle Zeichen seiner Auferstehung. "Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufbauen." Sie aber haben seine Worte nicht verstanden. Ihr Blick war auf das Gebäude des Tempels, auf die wertvolle Steine und Kunstwerke gerichtet. Dies alles haben sie bewundert.
Das Gebäude war für sie wichtiger als ihr Gott, der in ihrer Mitte wohnen will.
Jesus aber redet von dem echten und lebendigen Haus Gottes.
Er selbst ist dieses Haus des Vaters. Er ist der Mensch gewordene Sohn Gottes, der das Haus seines Vaters auf Erden geworden ist. Dieses Haus ist sein Leib, sein menschliches Wesen, in dem die volle Gottheit wohnt. Jesus offenbart hier die Vaterschaft Gottes und seine Gottessohnschaft.
Jesus will dem Volk sagen, dass es diesen lebendigen Gott verlassen hat und dadurch sein Zentrum verloren hat. Stein, Holz, Mörtel und Siegel machen kein Haus Gottes. Die Menschen selbst müssen, als lebendige Steine, das Haus Gottes aufbauen. Sie sollen miteinander ein Haus werden, in dem Gott wohnen kann. Sie sollen eine Gemeinschaft werden, in der Gott den wichtigen Platz hat.
Wenn wir in diese Richtung schauen, können wir in diesem Zusammenhang die Worte des Apostels Petrus verstehen.
Christus ist "der lebendige Stein, den die Menschen verworfen,
den aber Gott auserwählt hat". Er ist "der Eckstein", und mit ihm und auf ihn sind wir alle - als lebendige Steine - zu dem einen Haus Gottes gebaut.
Ich habe vom Haus - von unserem Haus - und vom Gotteshaus gesprochen. Vieles, was unser Haus betrifft, betrifft auch das Haus Gottes, die Kirche. Alles was unser Haus uns anbietet, das bietet auch das Haus Gottes uns an: Wir brauchen einen Platz um auszuruhen, einen Platz um allein zu sein und uns selbst zu finden. Das Haus Gottes ist ein Platz, in dem wir das Zentrum in uns finden können. Gelegentlich können wir uns in dieses Zentrum zurückziehen. Wir brauchen eine Stelle - wie die Tankstelle - wie die Küche - wo wir Nahrung und Kraft schöpfen können. Wir brauchen die Wärme der Gemeinschaft, mit Gott. Wir brauchen ein Zimmer um zu weinen, um uns selbst zu trösten und auch zu träumen.
Ähnlich können wir vieles, was ein Haus bedeutet, auf den Begriff "Haus Gottes" übertragen. Dann werden wir verstehen, was das Haus Gottes für uns ist. Dann werden wir verstehen, was das Kirchweihfest ist. Heute ist das Kirchweihfest. Aber jeden Tag dürfen wir uns selbst und unsere Kirche zu Gott weihen. Dann wird jeder Tag ein Fest sein.
Prediger: P. Paul Pathiyamoola